Klebsiella pneumoniae: Resistenter Superkeim verbreitet Angst und Schrecken

Weltweit versechsfachte sich die Zahl der Todesfälle durch das Bakterium Klebsiella pneumoniae in den letzten Jahren, so Spiegel Online. Mediziner sind oft machtlos, denn es handelt sich um ein extrem antibiotikaresistentes Bakterium – selbst Notfallantibiotika helfen oft nicht. BLUE SAFETY sprach darüber mit Prof. Dr. Hajo Grundmann, Experte für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene.

Klebsiella pneumoniae. Transmissions-Elektronenmikroskopie, Negativkontrastierung. Maßstab = 1 µm. Quelle: Hans R. Gelderblom, Andrea Männel, Rolf Reissbrodt (2001)

Extrem resistente Keime – klingt gefährlich. Und das sind sie auch, denn die meisten Medikamente, wie Antibiotika, versagen im Kampf, sodass vormals beherrschbare Infektionen ein tödliches Ende nehmen können. Dazu zählt auch Klebsiella pneumoniae.

Das Stäbchenbakterium kommt im menschlichen Darm vor und verursacht hier in der Regel keine Probleme. Doch ist das Immunsystem und die Barrierefunktion der Darmschleimhaut eines Menschen geschwächt, kann der Erreger in den Körper eindringen, sich ausbreiten und gefährlich werden. Die Folge: Im Zweifel eine lebensgefährliche Infektion. Erst kürzlich berichtete Spiegel Online über Hintergründe.

Forscher stellten im Rahmen einer Studie fest, dass sich nur wenige Erregerstämme in Europa verbreiten. Diese kommen vor allem in Krankenhäusern vor, weil hier viele Antibiotika verabreicht werden. So kommt es vor allem innerhalb der Krankenhäuser sowie bei Verlegung von Patienten zu einer Ausbreitung der Keime.

Die Wasserexperten von BLUE SAFETY sprachen mit einem Mitglied der Forschergruppe, Prof. Dr. Hajo Grundmann, über Mittel und Wege, sich vor dem gefährlichen Erreger zu schützen. Grundmann ist Leiter des Instituts für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Freiburg.

BLUE SAFETY: Herr Prof. Dr. Grundmann, das Thema antibiotikaresistente Keime ist in aller Munde. Was ist zu tun, wenn ein solcher Erreger ausgebrochen ist? 

Grundmann: Erregerverbreitungen zeichnen sich durch eine Zunahme von besiedelten oder infizierten Patienten aus. Diese müssen früh erkannt werden. Dazu ist eine gute und zeitnahe mikrobiologische Diagnostik Voraussetzung. In vielen Krankenhäusern Deutschlands und anderen europäischen Staaten fehlen jedoch eigene Labore, weswegen Untersuchungsmaterialien oft über weite Distanzen transportiert werden müssen. Das führt zu Zeitverlusten und schränkt die Kommunikation ein.

In Ausbruchssituationen müssen besiedelte und infizierte Patienten räumlich von den nicht-infizierten und nicht-kolonisierten Patienten getrennt werden. Das nennt man Kohortierung. Wir empfehlen darüber hinaus auch die Kohortierung der Exponierten – also von Patienten, die mit kolonisierten und/oder infizierten Patienten in Kontakt waren, zum Beispiel weil sie im selben Zimmer oder auf der selben Station betreut wurden. Bei einer Verlegung müssen zudem die nachsorgenden Einrichtungen über den Besiedlungsstatus von Patienten informiert werden.

BLUE SAFETY: Welche Wege gibt es, Antibitiotikaresistenzen zu bekämpfen oder diesen vorzubeugen?

Grundmann: Besorgniserregend sind bakterielle Infektionserreger nur dann, wenn sie Multiresistenzen oder Extremresistenzen ausprägen und ein großes Ausbreitungspotential besitzen. Wir beobachten die Ausbreitungsdynamik der letzten 20 bis 30 Jahre und können mithilfe von Untersuchungen am Erbgut der Bakterien die Populationsgeschichte der Erreger noch weiter zurückverfolgen. Dabei fällt auf, dass Risikoerreger – also mit Multi- oder Extremresistenzen – sich auf ganz wenige klonale Gruppen beschränken. Klonal bedeutet, dass die Zellen von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen also genetisch sehr ähnlich sind.

Die größte Übertragung findet bei der institutionellen Versorgung, also in Krankenhäusern, zwischen Patienten statt. Nur selten sind solche Klone auch außerhalb von Krankenhäusern erfolgreich. Wesentlich zur Verbreitung dieser Erreger trägt der ungezielte Einsatz von Antibiotika bei. Dieser fördert die Selektion innerhalb der patienteneigenen Flora, Mikrobiota genannt, und damit die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung auf einen anderen Patienten.

Da nur wenige Klone existieren, ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Verbreitung, dass diese Klone in Krankenhäuser durch Patienten, die bereits besiedelt sind, eingetragen werden. Daher empfiehlt das Robert Koch-Institut ein Screening von Risikopatienten bei der stationären Aufnahme. Wichtig für eine Verhinderung von Übertragungen zwischen Patienten sind zudem strenge Hygienevorschriften in Krankenhäusern, zum Beispiel mittels guter Händehygiene. Und falls erforderlich eine gezielte, das heißt wirksame, Antibiotikatherapie. Am allerbesten wäre jedoch, gar keine Antibiotika einzusetzen bzw. einsetzen zu müssen.

BLUE SAFETY: Hygienemaßnahmen nehmen demnach eine elementare Rolle im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen ein. Welche Rolle spielt hier die Hygiene des Wassers?

Grundmann: In Europa ist die Rolle von Wasser als Überträger für die extrem resistenten Keime glücklicherweise eher gering. Risikoerreger, das sind Erreger, die sich erfolgreich in den letzten 50 Jahren kontinental über ganz Europa verbreitet haben, sind hochadaptierte opportunistische Bakterien, die nur in humanen Mikrobiota vorkommen und von Menschen ausgeschieden werden. In unserem Trinkwasser sind diese (noch) nicht zu finden. Anders ist das allerdings in Gegenden, wo fehlende Sanitärhygiene die Rezirkulierung solcher Erreger möglich macht.

BLUE SAFETY: Wie sieht es denn aus Resistenzsicht mit Legionellen und Pseudomonaden aus? Sie gelten als fakultativ pathogen und sorgen auch immer wieder für Infektionen in Gesundheitseinrichtungen. 

Grundmann: Legionellen werden häufig in Trinkwassersystemen vorgefunden. Wir wissen allerdings noch immer nicht, wie wir verlässlich zwischen krankmachenden Legionellen und harmlosen unterscheiden können. Zum Glück führen Legionellen in Trinkwasserleitungen im Vergleich eher selten zu Infektionen bei Menschen. Antibiotikaresistenzen spielen hier eine kleinere Rolle. Anders jedoch bei Pseudomonaden. Diese können sehr wohl multiple Resistenzen entwickeln. Das ist eine grundlegende Eigenschaft dieser Erreger.

Vielen Dank für das Interview, Herr Prof. Dr. Grundmann.

Wasserexperten kümmern sich um die Wasserhygiene Ihrer Praxis

Zwar besteht demnach in Deutschland bisher keine akute Gefahr vor extrem resistenten Keimen im Wasser, dennoch ist es elementar, präventiv zu handeln. Umso wichtiger also, die Wasserhygiene von beispielsweise Zahnarztpraxen und -kliniken sicher zu bespielen. Die Wasserexperten von BLUE SAFETY haben sich genau diesem Thema verschrieben und setzen sich seit inzwischen knapp zehn Jahren erfolgreich für sauberes und sicheres Wasser ein.

Erfahren Sie mehr bei einer kostenfreien Sprechstunde Wasserhygiene. Vereinbaren Sie einfach unter 00800 88 55 22 88 oder online mittels des Kontaktformulars Ihren persönlichen Beratungstermin. Alternativ haben Sie die Chance, sich während der Herbstmessen unverbindlich von den Wasserexperten beraten zu lassen. Sichern Sie sich schon heute einen Termin für Ihren Messebesuch.

 

Quelle:

Spiegel Online (2019): Antibiotika-Resistenz: Auf der Spur des Superkeims.

 

Quelle Bild:

Robert Koch-Institut (2014): Klebsielle pneumoniae.

Diesen Beitrag teilen: